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Wie steuert man einen alten Frachter?

Ranger und Rover des Stammes aus Tornesch trauten sich auf eine ungewöhnliche Segeltour ...

 
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Louise Freifrau von Uslar-Gleichen (Louky)

Haben wir es je geahnt? Wir haben immer geschmunzelt über "unsere Louky", wenn sie in Gummistiefeln und in einer nassen Anorakjacke von irgendwo draußen in die Jurte kam. Sie würde kurz, sehr kurz schimpfen über das vermaledeite Wetter, um dann kurz aufzulachen und milde zu lächeln. Als wollte sie sich für ihren Ausbruch entschuldigen. Als hätte sie es nicht wirklich so gemeint. Oder: Als wollte sie nicht ertappt werden. Denn schon hatte sie doch mindestens den flüchtigen Eindruck hinterlassen, dass die schiere Anwesenheit unter solch widrigen Bedingungen ihr ein großes Opfer abverlangt.

Wir haben, wie gesagt, gütig geschmunzelt, wissend und ein klein bisschen von oben herab. Louky passte uns nie wirklich in ein Zelt. Sie hatte ja auch nie behauptet, gerne unter der Leinwand zu wohnen und zu schlafen, gar in einer Kohte. Sie mochte nicht den Qualm und nicht den Dreck, das sah man ihrer Miene an, zumal in Momenten, in denen sie sich unbeobachtet wähnte. Und doch hat sie den Elementen häufig getrotzt. Uns Jüngeren schien es, als füge sie sich aus höherem Interesse. Weil sie sich nun mal engagieren wollte und all diese Unbill eben dazu gehöre, zur Pfadfinderei. Nicht, dass sie etwas von unserer Pfadfinderei teilen würde.

Wir haben sie missverstanden. Wir haben nicht richtig hingeguckt. Sie war nicht ungern bei uns. Sie war eine Pfadfinderin durch und durch. Sie ist wirklich eine von uns gewesen, nur eben: eine Besondere. Davon haben wir uns blenden lassen und von ihrem Adel. Wobei das mit dem Adel wirklich etwas ganz Spezielles war. Louise Freifrau von Uslar-Gleichen, geborene von Asch von Wijk, war nämlich eine Adlige nicht nur der Abstammung halber. Sie war adelig, in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Louky benahm sich. Louky wusste, was sich geziehmt. Sie wusste, was erwartet wurde, welche Pflichten zu erfüllen und welche zu delegieren waren. Sie traf den Ton. Sie vergriff sich - seltenst.

Sie wusste, wann man angemessene Zurückhaltung zeigt, und wann es nützlich war, Initiative zu ergreifen. Louky hat häufig in Diskussionen ganz lange geschwiegen und den lautdenkenden Streithähnen zugehört. Erst am Schluss hat sie sich dann gemeldet. Und sich, wenn ihr etwas wirklich wichtig war, meistens durchgesetzt. Das lag nicht, nicht immer jedenfalls, notwendigerweise an der Überlegenheit ihres Arguments. Sondern daran, dass sie sich allein in ihrer Zurückhaltung Respekt verschafft hatte. Wir wussten, dass Louky es lag, opportun zu handeln, ohne opportunistisch zu sein. Wir wussten also: Es war ihr Ernst. Wir wussten auch: Louky hat Haltung. Das hat ihren Einfluss ausgemacht. Und eben, wie manche oft und gerne recht liebenswürdig über sie sagten, sie zur "Dame" des BdP: Zu einer, die ein bisschen zu Besuch wirkte in unserer dreckigen, rauchqualmenden, unordentlichen Welt. Zu einer, die respektiert wurde, geachtet, aber auch behandelt mit einer gewissen Distanz oder gar Scheu. Weil alle irgendwie dachten, dass Louky eben nur aus Notwendigkeit bei uns war.

Wir hätten sie vielleicht einfach fragen sollen nach ihrer Biographie. Louky hat den Dreck sehr wohl gekannt: Sie hatte, im wahrsten Sinne des Wortes, mehr Stallgeruch als manch ein bürgerlicher Sproß, der sich markig durch rauchige Kohten und klatschnasse Nachtlager emporgedient und so den Ruf erworben hat, ein kerniger Pfadfinder zu sein. Von ihrer Hochzeit 1954 bis in die Sechziger Jahre bewirtschaftete Louky mit ihrem Mann einen leidlich großen Bauernhof im Norden Bremens, mit 100 Rindern und 1000 Hühnern. Auf der "Kleinen Dunge", so hieß das Gut, kümmerte sich die junge Louky um alles, was nötig war - ganz unabhängig von Regen oder Sonnenschein. Um die Kälberaufzucht also und die Eier-Verpackung, den Bullenverkauf und die leibliche Versorgung von Familie und Mitarbeitern. Heimart Freiherr von Uslar-Gleichen, ihr vor einigen Jahren verstorbener Gatte, hat diese für Louky so wichtige Zeit, in der auch ihre beiden Töchter geboren wurden, 1996 in einer kleinen Kurzbiographie liebevoll beschrieben.

Das war, als ihre Pfadfinderinnen-Laufbahn offiziell zu Ende ging. Nach 38 Jahren Mitgliedschaft, nach 33 Jahren in der Bundesleitung von BDPw und BdP hörte Louky auf, unsere Auslandsbeauftragte für WAGGGS zu sein. Das war schon eine Zeitenwende, damals in Immenhausen. Da wurde eine Konstante aus unserer Geschichte herausgenommen. Es gibt sehr wenige neben Louky, die es in der deutschen Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbewegung nach dem Krieg zu einer ähnlich dauerhaften Präsenz gebracht haben.

Dabei hatte Louky durchaus schon einen erstaunlichen Start für ihre Pfadfinderlaufbahn hinbekommen. Im Sommer 1958 - so die Erinnerung ihres Mannes - hatte sie sich dem jungen Bund Deutscher Pfadfinderinnen als Gruppenleiterin angeboten, aber ein ganz anderes Anersinnen zurückerhalten: Sie wurde gebeten, das Amt der Landesmeisterin, also -vorsitzenden in Bremen zu übernehmen. Sie tat, wie empfohlen - und musste sich fortan mit dem Vorwurf auseinandersetzen, nicht wirklich dazu zu gehören. Wobei bald auffiel, dass es nicht dumm war, jemanden wie Louky in der Führung zu haben: Sie hatte Ideen, die denjenigen "im System" nicht so leicht kamen. Und sie stellte zuweilen Fragen, die andere nicht hätten stellen können.

Ob es Loukys besondere Art war, mit jüngeren (oder auch gleichaltrigen) Menschen umzugehen, die ihr Zuspruch verschaffte? Wir können es heute nur ahnen. 1963 wurde Louky in die Bundesleitung gewählt, wo sie sich bis 1970 um die Wichtelarbeit und die Führerinnenausbildung kümmerte. Dann übernahm sie - für 26 Jahre - das Amt der Auslandsbeauftragten. Zunächst allein beim BDPw, später im fusionierten BdP als Internationale Beauftragte für den Bereich des Weltpfadfinderinnenverbandes. Sie gehörte bei den Fusionsverhandlungen zum engeren Team der Pfadfinderinnen und hat lange Jahre im Landesverband Niedersachsen-Bremen in der Landesleitung gedient. Eine Karriere, die sich schnell hinschreiben lässt. Wer Louky über eine kleine Wegstrecke begleiten durfte, der ahnt sehr wohl, welche Wirklichkeit sich hinter den Zeilen verbirgt. Die endlose Zahl von Wochenenden im Zug, die kaum noch erinnerbaren Sitzungen von deutlich wechselhafter Qualität, Telefonkonferenzen, Abende an der Schreibmaschine, sinnlose Briefe, dumme Anfeindungen, Vorwürfe. Selbstverständlich auch manch großes Erlebnis, auch die Freude des Mitgestaltens, auch - für Zeiten - die Freundschaft eines Teams. Aber am Ende weiß man das, diese ganz spezielle Art von Pfadfinden: das Führen fern der Gruppe, fern der "lodernden Flammen" also, verlangt etwas ab. Es ist hart, immer nur zu führen. Es ist nicht sehr spontan. Man bekommt nicht viel zurück. Und schnell wird vergessen, was man geleistet hat. Niemand geht in die Bundesleitung aus reinem Pflichtgefühl, jedenfalls nicht für lange. Auch Louky nicht. Louky hat an die Sache der Pfadfinderinnen geglaubt, und später, da darf man sicher sein, auch an die Sache der Pfadfinder. Sie hat ihren Teil an dieser Sache geleistet, und sie hat daran Befriedigung empfunden. Und sie hat sich wohlgefühlt bei uns. Ja, doch. Pfadfinden, vergessen wir es nicht, ist viel weiter als eine Jurte und viel dichter als der Rauch eines Feuers.

Vor zwei Jahren war es wohl, da bekam Louky für ihr Engagement bei uns das Bundesverdienstkreuz verliehen - eine nicht eben häufige Auszeichnung für eine Niederländerin, wie sie es zeitlebens geblieben war. Im Rathaus zu Bremen hatten wir Gelegenheit, uns ein letztes Mal ganz öffentlich und offiziell bei Louky für ihr Mittun zu bedanken und auch darüber nachzudenken, was wir lernen können und mitnehmen von ihrem Erbe. Vielleicht, so damals der Schluss, vor allem dies: Dass wir wieder lernen sollten, nicht nur aus dem Moment zu handeln und nicht nur aus einer Leidenschaft heraus. Dass wir mehr Langmut und mehr Langfristigkeit in uns finden sollten, auch Geduld und Pflichtbewusstsein. Dass wir manchmal schärfer nachdenken sollten, bevor wir reden. Und handeln, so wie wir denken.

Das war vielleicht ein bisschen groß gedacht, ein bisschen allzu edel und hehr. Louky ist vor allem ein Mensch gewesen. Ein sehr lieber, aber auch ein ganz normaler Mensch, selbst wenn sie in einem besonders schönen und besonders großen Haus gelebt hat, dort oben in Bremen-Nord, am Ende der langen Einfahrt von der Benbeckenstraße aus und hoch über der Lesum. In der Uslar´schen Villa wäre Louky gerne gestorben; das hat sie bis zum Ende Ika erzählt, die sich als treue Seele häufiger auf den Weg ins Pflegeheim nach Bremen aufgemacht hat. Es ist ihr nicht vergönnt gewesen; nicht physisch jedenfalls. Nach langer Krankheit ist Louky am 6. November 2002 in Bremen gestorben. Ganz sicher sind ihre Gedanken am Ende unter den hohen Bäumen ihres Zuhause gewesen.

Tom Levine, aus Neue Briefe Nr. 99

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Dr. Julian Harzmann

Der Schock sitzt tief: Unser Julian lebt nicht mehr. Am 28. Oktober (2002) nahm er sich das Leben. Für viele von uns unverständlich. Der Julian, der Starke, der Abgeklärte, der locker große Gruppen mit seinen Ideen anstecken konnte, der als Versammlungsleiter auf Bundesversammlungen stoisch die noch so kompliziertesten Geschäftsordnungsanträge entwirren konnte, der immer für einen guten Rat da war und der uns allen im Landesverband Bayern ein so großes Vorbild war.

Julian kam aus Erlangen und erwies sich als motivierter Sippen und Gildenführer im Stamm Asgard. Dann prägte er viele Jahre lang das im Bund oft gescholtene TILOP einen Kurs, der für damalige Zeiten ein äußerst innovatives Konzept hatte. Damals erschienen die Inhalte (z. B. Partnerschaft und Sexualität) für den BdP zu modern, heute werden sie auf Kursen als selbstverständlich angesehen.

1997 wurde Julian Landesbeauftragter für die Ausbildung und baute langsam, aber beharrlich, die Ausbildungslandschaft in Bayern nach seinen Ideen und Vorstellungen um. Kurse wurden verändert, neue Konzepte entwickelt und Informationsmaterialien erstellt. Julian schaffte es, pro Kurssaison 120 Personen für ein Engagement auf der Ausbildungsebene zu motivieren. Er war vor und während der Osterferien für andere Themen kaum ansprechbar, was zeigt, wie sehr er sich mit "seinen" Kursteams und den Kursen identifizierte. Ganz besonders lag ihm die Ausbildung von Kursteamern am Herzen, für die er die legendäre LATUni entwickelte, die bis heute noch in vielen Landesverbänden als Akademie, Uni oder K.U.R. durchgeführt wird.

Julian wirkte für Außenstehende in seinem Tun immer etwas chaotisch, zu unkonventionell waren seine Arbeitsweise und sein Auftreten. Für die Pfadfinder, die Julian kannten, hatte aber alles einen Sinn. So erstellte Julian schon 1990 eine komplexe Untersuchung über "das Ausbildungsverhalten von BdPMitgliedern im Landesverband" und konnte damit auf Probleme in Strukturen aufmerksam machen, über die der BdP erst zehn Jahre später anfing nachzudenken.

Julian hatte eine Vision von einer "modernen Pfadfinderarbeit". So schrieb er 1992 eine Ausarbeitung zur Gildenarbeit, die auch heute noch in Kreisen der Pfadfinderstufe als Standardwerk gehandelt wird. 1998 zog sich Julian langsam aus der Ausbildung im Landesverband zurück. Sein endendes Arztstudium vereinnahmte ihn zusehends. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, als kompetenter Leiter der Bundesversammlung oder als Arzt auf dem Bundeslager seine Art von Pfadfinderei im BdP zu leben.

In den letzten zwei Jahren verloren viele seiner alten Weggefährten den Kontakt zu ihm. Julian war krank, und sehr gute Freunde sprachen von einer gewissen Traurigkeit, die ihn immer wieder heimsuchte. Er zog sich gänzlich zurück, hörte auf zu arbeiten und meldete sich nur ab und an :"Hallo, ich bin noch da!"

Julian lebte immer in Extremen: War er von einem Pfadfinderprojekt überzeugt, ließ er auch mal das Medizinstudium für drei Monate sausen und kümmerte sich ausschließlich um dieses. Lernte er auf irgendwelche wichtigen Medizinprüfungen, tat er das Tag und Nacht. In seinem Beruf arbeitete er bis zur Erschöpfung, bei Pfadfinderveranstaltungen war er meistens der Letzte, der ins Bett ging.

Die Gegenwart ist nur schwer zu akzeptieren, aber die vielen schönen Erinnerungen mit Julian werden für immer bleiben.

Markus Valk, aus Neue Briefe 98

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Peter Jürgen Lüders (PJL)

Seit den frühen Tagen eines unserer Vorgängerbünde hat Peter - oder PJL, wie ihn viele nannten - an verantwortlichen Stellen gestanden, er hat prägend und ideengebend unseren, "seinen" Bund mitgestaltet und hat sich nie gescheut, Zivilcourage nicht nur zu predigen, sondern sie in hohem Maße auch selbst gelebt.

Mehr als zwanzig Jahre ist Peter in den siebziger und achtziger Jahren ununterbrochen unser Bundesschatzmeister gewesen, dann auch BB Soziales, und Anfang der 90er Jahre stand er der Bundesleitung noch als Berater zur Verfügung. Verantwortlich für alles Geld, waren es vor allem die Bundeslager - von Kirchberg im Hunsrück angefangen -, für die Peter selbstverständlich nicht nur die finanzielle Seite im Griff hatte, sondern als Mitglied der Bundesleitung auch immer eine Vielzahl von anderen Bereichen erfolgreich beackerte. Auch die Ausbildung junger Gruppenleiter, vor allem auch die Ausbildung von Stammesführerinnen und Stammesführern, lag ihm am Herzen. Und so ist er oft Kursleitungsmitglied in den Stammesführergilwells in Immenhausen gewesen. Noch viel mehr Punkte kennzeichnen Peters Weg in unserem Bund und im von ihm gelebten Pfadfindertum: die bayrischen Behindertenlager, Abenteuer Technik, Abenteuer Berufswelt, die Stämme Faber und Marco Polo ... vieles, vieles andere, wo er sich einbrachte, was er an hervorragender Stelle mitmachte.

Ein reiches Leben, sagte der Pfarrer in der Münchener Apostelkirche am Mittwoch vor Ostern, als etwa 250 Trauergäste bei herrlichstem Sonnenschein und warmen Temperaturen nach München Solln gekommen waren, um Peter Dank, Anerkennung und der Familie ein Mitgefühl zu übermitteln. "Ich habe den Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben gehalten", dieses Wort aus dem Neuen Testament stand über Peters Leben und diesem Abschied. Peter wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben, er gehört zu diesem Bund und seiner Geschichte wie nur wenige andere.

Hajo Hornauer, aus LOGO 1-2003

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Kajus Roller

Ich erinnere mich an Kajus:

Die frühen Jahre des BDP sind nicht denkbar ohne Kajus Roller. Er war unser erster Bundesfeldmeister und er prägte wie kein anderer das Bild des Bundes in der Zeit des Wiedererwachens des deutschen Pfadfindertums nach dem letzten Kriege...

Unbestritten war Kajus damals ganz gewiss nicht. Und er war auch nicht einfach. Kein Wunder angesichts der vielfältigen bündischen und pfadfinderischen Traditionen, auf denen es aufzubauen galt. Jeder, der - wie Kajus auch - schon dabei gewesen war vor den dunklen Jahren des Nationalsozialismus, brachte seine eigenen Erfahrungen und seine eigene Sicht mit, die er in das neue Pfadfindertum einbringen wollte. Es war gar nicht zu vermeiden, dass da manchmal die Fetzen flogen zwischen "Bündischen" und "Scoutisten", denn "Selbstbestimmung in eigener Verantwortung" war unser oberstes Gebot.

Doch es bleibt das unbestrittene Verdienst von Kajus, unseren Bund durch manch solche Wildwasser gesteuert zu haben. In zähem Ringen baute er an dem erstarkenden Bund, auch wenn manche abtrünnig wurden. Ich erinnere mich noch an eine solche harte Diskussion in jenen ersten Jahren mit dem "Großen Jäger" in Hofgeismar. Was mich damals schon an Kajus beeindruckte, war sein Streben, das größere Gemeinsame zu sehen, und sein Werben darum, Partikularinteressen hinten an zu stellen. Doch nicht überall fand er hierfür Verständnis. Es folgten Jahrzehnte des Wandels. Aus dem "Großen D" wurde der "Kleine d". Kajus war längst von Bord gegangen. Aber in meinem Beruf begegnete ich immer wieder Kollegen aus seiner Firma, in der er nun arbeitete, und die ihn erwähnten. Und wenn ich dann sagte, dass er einst unser Bundesfeldmeister gewesen war, dann stieß ich auf lebhaftes Interesse und man versicherte mir, dass er deshalb auch heute noch in seinem Hause sehr angesehen sei. Ich war ein wenig stolz, das zu hören.

Ich begegnete Kajus wieder, wenn auch nur schriftlich und telefonisch, als wir in der Stiftung Pfadfinden überlegten, wer unseren Stiftungsaufruf unterschreiben sollte. Ich dachte an Kajus, denn er hatte sich bereits als Stifter unserer guten Sache zur Verfügung gestellt. Die Briefe, die ich mit ihm wechselte, und die Telefongespräche, die ich mit ihm führte, zeigten mir wieder jenen Mann, wie ich ihn in Erinnerung hatte: ein wenig kantig, aber beharrlich und mit dem Gefühl einer tiefen Verpflichtung für unsere gemeinsame Sache und für die uns folgenden Pfadfindergenerationen. So wird mir Kajus Roller in Erinnerung bleiben: Nicht nur als vorbildlicher Pfadfinder und Führer in jenen Jahren, sondern auch als Älterer, der seine heutige Verpflichtung für die Pfadfinderei kennt, die das eigene Leben geprägt hat. Ich denke, dass Kajus uns Älteren, die wir aufgefordert sind, die Stiftung Pfadfinden zu unterstützen, auch auf diesem Weg ein Vorbild ist.

Richard Speich, aus Neue Briefe 92

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Franz Albrecht Schall (Sonus)

Am 15. September 2001 ist Sonus (Franz Albrecht Schall) für immer von uns gegangen.

Sonus wurde am 22. Januar 1913 in Altenburg/Thüringen geboren und verbrachte dort auch seine Kinder- und Jugendzeit. 1932 legte er sein Abitur ab. Im Anschluss absolvierte er eine dreijährige Lehre als Schreiner um danach an der Universität Jena für das Lehramt an Berufsschulen zu studieren. Mit Auszeichnung schloss er 1937 sein wissenschaftliches Studium ab. Sonus war Kriegsteilnehmer und wurde auch verwundet.

Nach dem Krieg verschlug es ihn als Berufsschullehrer für Schreiner zunächst nach Stade. 1951 wechselte er nach Rothenburg ob der Tauber, wo er bis zu seiner Pensionierung an der dortigen Berufsschule tätig war.

Bereits 1925 trat Sonus als Zwölfjähriger den Neupfadfindern bei. In den dreißiger Jahren kam auch er,wie viele andere Jugendführer, zur Hitlerjugend. Kurz nach dem Krieg suchte er bald wieder Kontakt zu den Pfadfindern und gehörte zu den ersten Mitgliedern des neugegründeten Bund Deutscher Pfadfinder. Aktive Gruppenarbeit betrieb Sonus in Mittelfranken als Stammesführer und Gaufeldmeister. Sehr früh engagierte er sich auch auf Bundesebene. Viele Jahre war er Mitglied der Bundesführung unter Kajus Roller. Als Bundesbeauftragter für Werken führte er zahlreiche Werklager auf Bundes-, Landes- und Stammesebene durch. Er etablierte das Werken, mit der Vermittlung handwerklicher Grundfertigkeiten, als tragende Säule der musischen Bildung im BDP. Vielen Ältern im Bund ist er in diesen Zeiten ein besonderer Weggefährte gewesen. Aber auch im Schrifttum des Bundes (Jungenleben und Briefe) hat sich Sonus mit vielen Beiträgen eingebracht und zu Wort gemeldet.

Im Jahre 1978 stieg er als bereits 65-jähriger noch einmal ganz aktiv in das Projekt "Obermeierhof" ein. Er war maßgeblicher Mitarbeiter beim Konzept "Musische Bildungs- und Begegnungsstätte Obermeierhof". Mit großem persönlichem Einsatz vermittelte er auch viele Privatspenden für den Ausbau des Hofes. Seine letzten Jahre verlebte Sonus in einem Altenheim in Niederbayern, wo er dann auch verstarb.

Sonus widmete sein ganzes Leben der jungen Generation. Sowohl als Lehrer wie auch als Pfadfinderführer engagierte er sich für die Belange und Interessen junger Menschen. Dabei ging es ihm immer um den ganzen Menschen (Kopf, Herz und Hand). Ihm war der direkte Kontakt, das persönliche Gespräche und das gemeinsame Tun ganz besonders wichtig. Sein Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit zuhören zu können, seine hohe fachliche Kompetenz und sein besonderer Humor haben bei vielen Menschen, denen er in seinem Leben begegnet ist, sehr positive Eindrücke und dankbare Empfindungen hinterlassen. Er war ein begnadeter Pädagoge.

Die Aufforderung von Baden Powell "Verlasse die Welt ein Stück besser als du sie vorgefunden hast" war ein wesentlicher Ansporn für sein jahrzehntelanges nimmermüdes Wirken und Schaffen.

Helmut Reitberger, aus: Neue Briefe 95

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Adolf Schmeißer (Alo)

Alo Schmeißer ist auf die letzte Fahrt gegangen. Er wurde am 11.4.40 im südböhmischen Strakonitz (Strakonice) geboren, dort wo auch Franz Kafka öfters bei seinen Verwandten zu Besuch war. Das Schicksal brachte seine Familie in das bayerische Erding. Dort machte Alo eine Lehre als Fotokaufmann, ging aber später zur Luftwaffe. Im August 1956 trat er dem BDP bei und wurde bald Stammesführer der "Stauffen". Im November 1964 erhielt er das Feldmeisterpatent Nr. 347. Unter besonderen Fähigkeiten sind Fotografie, Geschichte und Werkarbeiten aufgeführt. Darüber hinaus beschäftigte er sich später intensiv mit Archäologie.

Mit dem Stamm Burgund baute er den Zeltplatz "Kieferngrund", 1 km von der Autobahnausfahrt Langenbruck entfernt, auf. Auf dem Platz stehen drei Blockhütten mit 60 Betten zur Verfügung. Auch in der Altpfadfindergilde war Alo eine zeitlang aktiv. Er war Vorsitzender der Bayerngilde und von 1986 an amtierender Vorsitzender des Verbandes Deutscher Altpfadfinder-Gilden (VDAPG). Am 10. Oktober 1987 wurde er in Sieber/Herzberg zum 1. Vorsitzenden des VDAPG gewählt und hatte dieses Amt bis zu seinem Rücktritt am 20.4.1995 inne. Er hat das Woodbadge (BdP Nr. 20), gehörte dem "Freundeskreis Lilienwald" an und war einer der ersten bei der Stiftung Pfadfinden (Nr. 35).

Als Hauptmann der Luftwaffe ging Alo dann 1993 in den Ruhestand. Seit etwa vier Jahren wusste er von seiner Krankheit, die letztlich auch zum Tod führte . Zwar zog er sich von vielen Aktivitäten zurück, hielt aber zum Freundeskreis Lilienwald noch engen Kontakt. Den Hinterbliebenen gilt unsere herzliche Anteilnahme.

Jürgen W. Diener (Umba), aus: Neue Briefe 89

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Else Schoeler

Frau Else Schoeler wurde am 11.4.1910 geboren und verstarb am 25.10.2004

Obwohl Else Schoeler selbst nie Pfadfinderin war, lagen ihr die Pfadfinder sehr am Herzen, zumal ihre Jungs viel Zeit mit den Pfadfindern verbrachten. So half sie überall mit, ob es das Backen eines Kuchens eine Veranstaltung war, oder ob beim Elternabend Hand anzulegen war. So fühlte sie sich als Mutter von Pfadfindern der Idee immer sehr verbunden und hat diese Verbundenheit in praktische Hilfe umgesetzt.

In den Aufbauanfängen des Pfadfinderzentrums Raumünzach (Landesbildungsstätte des LV Baden-Württemberg) half sie ebenfalls mit, sowohl finanziell als auch durch ihre Mitarbeit.

Else Schoeler war sie immer bereit dazu, wenn ihre Unterstützung benötigt oder angefragt wurde. So war es für sie selbstverständlich sich auch in der Stiftung Pfadfinden zu engagieren. Als 200. Stifterin war sie die älteste Stifterin der Stiftung Pfadfinden.

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Walther Wäldele

Der gebürtige Dortmunder kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Karlsruhe. Von 1951 bis 1964 war er Vorsitzender und Geschäftsführer der Gewerkschaft ÖTV, von 1956 bis 1963 gehörte er dem Gemeinderat an, dann wurde er zum Bürgermeister und zwei Jahre danach zum Ersten Bürgermeister gewählt. Fünf Jahre lang – 1961 bis 1966 – gehörte er dem baden-württembergischen Landtag an. Die Liste seiner Verdienste ist lang. Stets mit seinem Namen verbunden bleiben werden Einrichtungen wie der Stadtjugendausschuss, den er gründete und 14 Jahre leitete, das Freizeit- und Bildungswerk im elsässischen Baerenthal, die Verkehrswacht oder das Verkehrsmuseum. Hoher Sachverstand und Weitblick hätten das Handeln von Walther Wäldele ebenso geprägt wie Sachlichkeit und Kompromissbereitschaft, so Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Es sei ihm immer um Inhalte gegangen nicht um Dogmen. Wäldele war zudem von 1970 bis 1986 Vorsitzender des Rot-Kreuz-Kreisvereins und Ehrensenator der Fachhochschule Karlsruhe.

aus BNN, Karlsruhe 30.12.2003

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Fritz Wagemann

Fritz Wagemann wurde am 10. 05. 1913 in München geboren. Er war Schüler der Rupprecht Oberrealschule (heute Rupprechtgymnasium) in München.
Sein Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften Franz Paul Wimmer (1878 - 1966) "keilte" ihn für den 1. Münchner Pfadfinderzug (1. MPZ). Im Oktober 1926 wurde er dort Mitglied.

Wimmer hatte am 25.09.1909 an seiner früheren Schule, dem Alten Realgymnasium (heute Oskar-von-Miller-Gymnasium) mit seinen Schülern den 1. MPZ als erste deutsche Pfadfindergruppe gegründet. Von 1922 bis 1932 war Wimmer Lehrer an der Rupprecht Oberrealschule und motivierte ihm geeignet erscheinende Schüler, dem 1. MPZ beizutreten. Wimmer leitete den 1.MPZ damals schon nicht mehr, sondern war im Vorstand des Bayerischen Pfadfinderbundes, dem Förderverein für das interkonfessionelle bayerische Pfadfinden.

Fritz Wagemann nahm bis zum Jahr 2000 an den jährlichen Traditionstreffen des 1. MPZ teil und war mit seiner ehemaligen Pfadfindergruppe in festem Kontakt.

Fritz Wagemann studierte an der Universität München Forstwissenschaften. Von 1941 - 1952 war er Förster in Marquartstein/Chiemsee, ab 1952 Oberforstmeister in Heigenbrücken/Spessart, ab 1960 Oberregierungsforstrat bei der Bezirksregierung von Unterfranken in Würzburg und später Ministerialdirigent.

Sowohl von seinen Kollegen als auch von den pfadfinderischen Freunden wurde seine besondere Herzlichkeit und Geselligkeit herausgestellt, die jede Begegnung mit ihm zu einem menschlichen Gewinn machte.

Fritz Wagemann gehörte als Stifter Nr. 81 zu den Gründungsstiftern der Stiftung Pfadfinden. Er verstarb 2003, wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag.

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Klaus Hartmann (KAHA)

Klaus Hartmann wurde am 5.8.1939 in Berlin geboren. Er besuchte die Grundschule in Berlin und Brandenburg und anschließend das Hermann-Ehlers-Gymnasium in Berlin. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Physik an der TU Berlin. 1968 schloss er es als Diplom-Physiker ab. Im gleichen Jahr legte er auch das Staatsexamen in Physik und Mathematik ab und wurde Studienreferendar am renommierten Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf. Dort wurde er auch als Studienrat und Studiendirektor tätig. Er prägte nachhaltig als Fachbereichsleiter den naturwissenschaftlichen Unterricht an dieser Schule und war auch als Fachseminarleiter in der Lehrerausbildung tätig.

Klaus Hartmann verstarb am 16.3.2000 nach einer schweren Krebserkrankung.

Bereits 1947 hatte Klaus auf Initiative seines Klassenlehrers Gelegenheit, an einer Fahrt nach Sylt teilzunehmen, wobei er erstmals mit pfadfinderähnlichen Lebensweisen in Berührung kam. Pfadfinder gab es zu dieser Zeit in Berlin noch nicht. Die Alliierten hatten nur der Gründung eines Bundes Deutscher Jugend zugestimmt, aus dem aber einige Jahre später der BDP hervorging. Im Laufe der Jahre entwickelte Klaus zahlreiche Aktivitäten und stieg zum Stammesführer des Stammes schwarz-weiße Meeradler in der Jungenschaft Seeadler auf. Darüber hinaus war er auch im Bezirksjugendring Berlin-Steglitz als Vertreter der Pfadfinder tätig, wo er sich intensiv für die Interessen der bündischen Jugend einsetzte.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Pfadfinderleben (mit Beginn seiner Berufstätigkeit), verfolgte er ständig die Entwicklung des BDP, insbesondere während der Spaltungsaktivitäten um 1968. Er förderte Singewettstreite und finanzierte zahlreiche Preise für die Siegergruppen.

Durch seine Initiative fanden sich die alten Seeadler, mit Ehepartnern und nunmehr Eltern zahlreicher Kinder, bei einem ersten Treffen 1978 in der Lüneburger Heide erstmalig wieder. Seither finden diese Treffen regelmäßig alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten statt, z.B. 2006 in Thüringen. Inzwischen sind viele der Teilnehmer bereits Großeltern. Aber es ist faszinierend, dass dem Ruf dieser Treffen regelmäßig zwanzig bis dreißig Personen folgen.

Erwähnt werden sollten noch zahlreiche Fahrten mit Pfadfindergruppen und freien Gruppen auf Einladung der Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung auf die Burg Hohenzollern bei Hechingen. Welcher Junge hat schon Gelegenheit, drei Wochen auf einer gewaltigen Burg zu leben. Diese Fahrten waren dank des Ideenreichtums von Kaha stets ein tolles Erlebnis.

Peter Barth

Klaus Hartmann gehörte zu den ersten Stiftern der Stiftung Pfadfinden und hat die Stiftung darüber hinaus in seinem Testament bedacht. Der Erlös aus dem Verkauf seiner Wohnung im Harz hat das Kapital der Stiftung deutlich aufgestockt.  Mit seinen Freunden und Angehörigen trauern wir um Klaus, der trotz seiner Krankheit bis zuletzt an der Entwicklung der Stiftung Anteil genommen hat. Wir werden mit dem Erlös seiner Zuwendung besonders musische Aktivitäten fördern, die ihm besonders am Herzen lagen.

(aus einem Brief an alle Stifter im Jahr 2000)

 

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Dirk Nienhaus

Dirk kommt mit 13 Jahren zu den Pfadfindern. Der Stamm Kreuzfahrer in Münster ist von da an Mittelpunkt seiner Freizeit. Dirk hat zwei besondere Begabungen, die dem ganzen Stamm sehr zugute kommen. Er ist musikalisch und spielt Klavier und Gitarre. Bei Heimabenden und auf Fahrten greift er immer wieder zur Gitarre und animiert die anderen zum Singen. Außerdem interessiert sich Dirk für mathematische Themen und das kann er praktisch anwenden im Umgang mit Karte und Kompass. Im Stamm Kreuzfahrer wird er Sippen- und Gildenführer. Es gelingt ihm gut, andere anzuleiten und zum Mitmachen zu motivieren.

Nach dem Abitur verlässt Dirk Münster und geht zum Studium nach München. Zunächst Maschinenbau und später dann Luft- und Raumfahrttechnik sind seine Studienfächer und Leidenschaften.

Mit 35 Jahren stirbt Dirk völlig überraschend. Dirk  war immer ein fröhlicher Mensch. Er war durch nichts zu erschüttern und hat andere begeistern und mitnehmen können.

Karin Dittrich-Brauner, aufgeschrieben aus den Erzählungen von Herbert Berheide (Klopfer)

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