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Im Zeichen des Stammes „Waringar“

Wie sich Berliner Pfadfinderinnen und Pfadfinder ein Stück mehr eigene Identität schufen...

 
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Hans-Georg Weische (Froggi)

Wir trauern um unseren Freund und Pfadfinderbruder


Hans-Georg Weische (Froggi), geb. am 10.09.1944,


der am 25.04.2010 seine letzte große Fahrt angetreten hat.
Seine ersten  „Pfadfindererfahrungen“ machte Froggi im Deutschen Pfadfinderbund, bevor er 1960 zum Stamm Wildwasser in Hanau kam.

Nach seiner aktiven Zeit als Gruppenleiter und einer kurzen Familienpause gehörte Froggi im Jahr 1971 zu den Gründungsmitgliedern des Fördererkreises „Pfadfinder Stamm Wildwasser Hanau e. V.“ und nahm seitdem das Amt des Kassierers wahr, das er bis zum Jahr 2009 ununterbrochen ausübte. Ohne sein unermüdliches Engagement und seinen überdurchschnittlichen persönlichen Einsatz wäre es nicht gelungen, in Hanau eine solide Basis für die Pfadfinderarbeit zu schaffen und so auch den Bau eines eigenen Pfadfinderheimes im Jahr 2000 zu ermöglichen.

Den direkten Kontakt zur praktischen Pfadfinderarbeit an der Basis hatte Froggi immer durch sein persönliches Einbringen in die Stammesarbeit, u. a. auch als Teilnehmer bei Bundeslagern, bei denen er gemeinsam mit seiner Ehefrau Moni das Küchenteam bildete. Wir denken noch gerne an gemeinsame Abende am Lagerfeuer zurück, an gemütliche Singerunden und Kaminabende und auch an die Gruppenstunden der Sippe „Elche“, der Froggi bereits seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren angehörte. Schon von seiner Krankheit gezeichnet, ließ er es sich bis zuletzt nicht nehmen, regelmäßig an den gemeinsamen Sippenabenden teilzunehmen.

 Wir trauern sehr um Froggi  und sind im Gedanken bei Moni, die auch aktiv bei den Elchen ist, und seinem Sohn Thomas.

 Hartmut Lörcher

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Leopold Ensgraber

„Leo ist tot“ – im Alter von 96 Jahren verstarb im April 2010 der Heimatforscher, Kommunalpolitiker, Pädagoge , Literat, Kunstexperte und vorallem Pfadfinder der ersten Stunde Leo Ensgraber.

Sein Lebenswerk vollständig zu würdigen ist nahezu unmöglich und so sollen nur einige Stationen seines Lebens in Erinnerung gerufen werden:

Geboren wurde Leo am 05. August 1913 in Bingen am Rhein. In seiner Jugend wurde er dort Mitglied einer Jungenschaft. In Frankfurt, Gießen und Paris studierte er Latein, Altgriechisch, Hebräisch und Archäologie. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft begann er 1950 seine schulische Laufbahn am Gymnasium in Simmern (Hunsrück), wo er die Simmerner Pfadfinder (heute BdP-Stamm Raugrafen) gründete und für viele Pfadfinder die fehlende Vaterfigur ersetzte. Er baute den BDP-Soongau mit auf und war beim BDP-Bundeslager auf der Schmidtburg 1958 der Chef der Technik. Auf diesem Lager konnte auch Dr. Alexander Lion (Ali) begrüßt werden, mit dem Leo eine persönliche Freundschaft verband.

1959 zog er nach St. Goar zurück an den Mittelrhein, wo er bis zu seiner Pensionierung am Gymnasium in St. Goarshausen tätig war. 1987 wurde Boppard seine Heimat.

Seit er 1976 dem Hanseorden beitrat, war er dessen „spiritus rector“. Er publizierte ohne Unterlass heimatgeschichtliche Beiträge, gestaltete Vorträge und Führungen auf Burg Rheinfels, organisierte über 150 Kunstaustellungen und gründetet das Weinkollegium Boppard.

Für sein starkes Engagement für die deutsche Pfadfinderarbeit wurde Leo Ensgraber 1972 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.


Bedeutend ist auch Leos politische Tätigkeit als Mitglied der FDP und als Stadtrat in Simmern, später in St. Goar, als Kreistagsabgeordneter des Rhein-Hunsrück-Kreises und als pfadfinderischer Vertreter im Bundesjugendring.

Stets hat er sich für die pfadfinderische Jugendarbeit eingesetzt und war immer interessiert an der Fortentwicklung der Pfadfinder in Simmern und darüber hinaus. Gerne erinnern wir uns an die imposant Rede, die Leo als Ehrenstammesführer zur Einweihung des neuen Pfadfinderheims 1989 gehalten hat.

Kurz nach seinem 95. Geburtstag im Jahr 2009 hat Leo uns mit sichtlich freudiger Erregung beim BdP-Bundeslager besucht und war mehr als begeistert von dem, was er da sah.


(Jürgen Thelen – igor)

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Otto Kiefer

Unser Pfadfinderbruder Otto Kiefer ist am 21. Juli in Saarbrücken verstorben. Er wurde 8o Jahre alt. Otto war ein „Urgestein“ der interkonfessionellen Pfadfinderszene in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Ende der 1940er Jahre kam er zum Stamm „Ingo“ des BDP in Konz am Zusammenfluss von Saar und Mosel. 1949/50 gründete er eine Aufbaugruppe in Trier, aus der später der Stamm der „Treverer“ hervorging. Später ließ sich Otto berufshalber in Saarbrücken nieder. Bis zuletzt besuchte er regelmäßig die Treffen der dortigen Altpfadfinder, hielt aber auch engen Kontakt zu seinen Freunden in Konz. Generationen von Pfadfindern war Otto ein väterlicher Freund und ein lebenslanger Begleiter. Sein Humor und seine Lust am Disput sind Legende. Otto blieb ein Leben lang den Pfadfindern eng verbunden. Ihnen galt seine ganze Hingabe. 2009 besuchte er das Bundeslager des BdP im Hunsrück und den Stiftertag. Beeindruckt von der aktuellen Pfadfinderarbeit und dem Zusammentreffen mit alten Freunden trat er noch an Ort und Stelle unserer Stiftung bei.

Am 29. Juli 2010 wurde Otto in Saarbrücken auf dem Hauptfriedhof im Beisein der Familie und vieler Pfadfinderfreunde beigesetzt. Wir trauern um einen aufrechten Pfadfinder der ersten Stunde. Wir werden sein Andenken bewahren.

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Rolf Koppermann

Rolf wurde am 4.12.1940 in Schwerin geboren und kam in den Wirren der Nachkriegszeit über Lübeck nach Düsseldorf. Dort war er - zusammen mit vielen anderen Schülern der Realschule an der Luisenstraße – seit 1952 Mitglied im Stamm CORNSTALK des Bund Deutscher Pfadfinder (BDP). In den Jahren bis 1960 beteiligte er sich an zahlreichen Großfahrten nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und in die Schweiz.


Den Lehrjahren als Schreiner folgte seine Zeit bei der Bundeswehr, die er als Unteroffizier bei den Pionieren beendete. Danach vervollständigte er seine professionelle Qualifikation. Das erfolgte neben der vollen Berufstätigkeit, weil ihm seine emotionale Unabhängigkeit wichtiger war als die finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus bei der Finanzierung eines Studiums. Rolf arbeitete viele Jahre freiberuflich als Bauingenieur und Bauleiter und gestaltete dabei erfolgreich große Bauprojekte in Düsseldorf, Dortmund, München, Berlin und zuletzt beim Ausbau des Flughafens in Frankfurt.


Seine künstlerischen Interessen und gestalterischen Fähigkeiten wirkten stilbildend in seiner Pfadfindergruppe. Rolf war dabei, wenn sich die Freunde aus der Sippe ADLERHORST auch noch nach über 50 Jahren trafen. Aus fortbestehender Verbundenheit mit den Pfadfindern wurde er der Stifter Nr. 381 der Stiftung Pfadfinden.


Nach kurzer schwerer Krankheit ist Rolf Koppermann am 23.4.2010 verstorben. Wenige Woche vorher war er noch einmal zu seiner letzten großen Fahrt, nach China, aufgebrochen.


Heinz Henke - in Abstimmung mit anderen Mitgliedern der Sippe ADLERHORST

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Willi Veeck

Willi Veeck war nie aktiver Pfadfinder. Als gelernter Werkzeugmacher fand er nach der Wirtschaftskrise der Dreißiger Jahre in seiner Heimatstadt Idar-Oberstein keine Beschäftigung mehr und zog nach Berlin. Der passionierte Sänger war hier in großen Chören bis in die frühen 50er Jahre im kulturellen Leben engagiert. Nach seiner Rückkehr in die Heimat im Jahr 1953 fand er als Arbeitskollege von Hans Schleich den Kontakt zu den Pfadfindern, die ab 1961 ältere Mitglieder, Freunde und Eltern in einem Fördererkreis zu organisieren suchten, um den damals schwächelnden Stämmen einen Rückhalt zu geben. Nach dem Tod von Hans Schleich gehörte Willi Veeck ab 1965 viele Jahre lang zum Komitee des Kreises, der bald rund 100 Mitglieder zählte und regelmäßig Wanderungen, Tagesfahrten und mehrtägige Studienfahrten anbot, wobei die aktiven Pfadfinder stets einbezogen waren.

 

Ab 1976 half Willi Veeck mit beim Ausbau des Lehrgangs – und Freizeitzentrums Achtelsbach. Bis kurz vor seinem Tod nahm er hier an zahllosen Arbeitseinsätzen teil, aber auch an geselligen Runden im Kreis alter und junger Pfadfinder. Er unterstützte mehrere Tschernobyl-Aktionen des Stammes. Selbstverständlich besuchte er das Bundeslager in Buhlenberg und wurde anschließend Stifter, indem er zu seinem 98. Geburtstag um entsprechende Spenden bat. 50 Jahre hat Willi Veeck die Idar-Obersteiner Pfadfinder begleitet und unterstützt. Wir haben die Trauerfeier am 5. März 2011 gestaltet und Abschied genommen von einem zuverlässigen Freund und Weggefährten. (Bernd Schleich)

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Stephanie Lepper (Steff)

Im Juni 2009 hatte ich die Gelegenheit, mich mit Steff – wie Stephanie Lepper in Pfadfinderkreisen genannt wurde – am Rande eines Altpfadfindertreffens angeregt zu unterhalten. Zuvor hatte ich bereits von ihr gehört. Und wir waren übereingekommen, den Kontakt nicht abbrechen zu lassen. Da war Steff schon 94 Jahre alt. Zu weiteren Gesprächen kam es dann leider nicht mehr. Steff verstarb am 05. April 2010 in Nördlingen.

 

Steff wurde am 27. Januar 1915 geboren. Seit 1929 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 war Steff in Schlesien Pfadfinderin in der Gruppe „Hagsal“ im Bund Deutscher Pfadfinderinnen (Schachbrett- Abzeichen). Der nach dem II. Weltkrieg neu gegründete Bund Deutscher Pfadfinderinnen (BDP/BDPi) hatte keine Traditionslinie zum älteren Namensträger.

 

Erst anlässlich des Meissnertreffens 1963, zu dem Steff mit zwei ihrer Schülerinnen, die Pfadfinde-rinnen waren, reiste, suchte sie wieder Anschluss bei den Pfadfindern. Von Bedeutung sollte sich in der Folge für sie die Begegnung mit Otto Bergfeld erweisen. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass Steff im Jahre 1967 zu den Gründungsmitgliedern der Zentralgilde im Verband Deutscher Altpfadfindergilden e.V. (VDAPG) - der Mitglied im Weltverband ISGF ist - zählte. 2008 wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft der späteren Neuen Zentralgilde verliehen.

Seit 2003 engagierte sich Steff als Stifterin in der Stiftung Pfadfinden und trug zum Aufbau der Stiftung bei.

 

Mitglieder der DPSG und hier insbesondere die Altpfadfinder vom „Club der Pfadfinderfreunde“ des DPSG-Stammes „Nordilo“, Nördlingen, kümmerten sich um Steff in ihrem letzten Wohnort Nördlingen – einen BdP-Stamm gibt es dort nicht.

 

Die Zugehörigkeit zur weltweiten Schwesternschaft der Pfadfinderinnen hat Steff nach eigener Aussage nie bereut. Pfadfindergesetz und Versprechen sind für sie Lebensgesetz geworden.

 

In der Todesanzeige stand unter der KleeblattLilie der deutschen Altpfadfinder der Satz von Robert Baden-Powell „Der wahre Weg, das Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen.“ In den Monaten zuvor hatte Steff in den Publikationen des VDAPG die Gedanken von Jochen Senft hierzu gelesen. Sie konnte deren Quintessenz nur bestätigen. Steff ging nicht mit dem Gedanken von uns, zu versuchen, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als sie sie vorgefunden hatte. Vielmehr hatte sie die Worte vom Glück im selben Abschiedsbrief von BP an die Pfadfinder als wesentlich erkannt.

 

Alle, die Steff kannten, werden sie ganz sicher nicht vergessen. Darüber hinaus wollen wir ihr in der Stiftung Pfadfinden ein ehrendes Andenken bewahren. (Ingrid Berg)

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Karl Bukowski (Bu)

Bu, geboren am 3.September 1912, verstarb am 30. September 2010. In der „brücke“, dem Informationsblatt der Neuen Zentralgilde (NZG) im Verband der deutschen Altpfadfindergilden (VDAPG), lesen wir im Heft 148/Dezember 2010 einen Nachruf auf ihn. Leider wurden dort nur seine Aktivitäten innerhalb der Organisation erwachsener Pfadfinder aufgeführt: Seit 1968 Mitglied der Zentralgilde, von 1976 bis 1982 deren Gildensprecher, einige Jahre im VDAPG Referent für Fahrten- und Lagerberatung und Brillenbank. Der VDAPG ernannte Bu zum zweiten Ehrenmitglied des Verbandes.

 

Mir war Bu mehr! Vor allem ein guter Freund, trotz dem Altersunterschied von 21 Jahren. Er trat schon früh in meinen Umkreis. Das war 1970 beim Regional-Treffen Nord-West der Zentralgilde in der Jugendherberge Syke.

 

Bu war ein gläubiger evangelischer Christ. In seiner Kirchengemeinde fungierte er als Lektor.

 

Einigen von uns war sicher auch bekannt, dass er ein großer Naturliebhaber und Botaniker war. Hier fand er sicher einen Ausgleich zu seinem Beruf als Verwaltungsfachmann in der Bremer Innenbehörde. In seinem sehr gepflegten Schrebergarten auf dem Werder, einer Weserinsel, ging er auf. Bei mehreren Besuchen in der Hansestadt Bremen konnte ich auch diesen Teil seines Lebens kennen lernen.

 

Bu konnte sich stolz als „Tagebaren“ bezeichnen. So dürfen sich die geborenen und dort aufgewachsenen Bremer nennen, für die dies mindestens in der dritten Generation zutrifft. Er ist seiner Heimat immer treu geblieben. Meiner Familie und mir gefielen das offene Wesen und die liebenswürdige Art des älteren Herren.

 

Bu gehörte vor 1933 dem DPB Horst Bremen in der Landesmark Waterkant unter dem zu Lebzeiten schon legendären Führer Hans-Wilhelm Fichter (Hawifi), einem Offizier der Schutzpolizei, an. Im 2. Weltkrieg befehligte Bu eine Flakbatterie. Nach dem Krieg war Bu Mitglied im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) LV Niedersachsen/Bremen und hoch geehrt. Bei allen seinen Aktivitäten bei den aktiven Pfadfindern und Altpfadfindern unterstützte ihn seine inzwischen auch verstorbene Frau Erika sehr. Ich bin froh und dankbar, mit dem Ehepaar Bukowski befreundet gewesen zu sein. (Dieter Sawitzky (Westmann))

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Jochen Senft

Jochen Senft (1929 – 2012) kam im Jahr 1947 zu den Pfadfindern. Er war einer von vielen Jungen, die dort - kurze Zeit nach dem Krieg, heimatvertrieben und in einer Familie ohne Vater - Freundschaften und ein Feld mit emotionaler Sicherheit suchten und fanden.

 

Das Singen in Gruppen sprach seine musischen Neigungen an und der pfadfinderische Grundsatz „Der Starke schützt den Schwachen“ war für ihn eine überzeugende Alternative zu den menschenverachtenden Haltungen, die er in der Nazi-Zeit kennen gelernt hatte. Das Studium der Theologie befähigte ihn, auch gegenüber der Praxis in manchen Pfadfindergruppen im Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) eine kritische Distanz zu halten. Jochen erlebte die an der Erfahrung orientierte angelsächsische Pfadfinderpraxis, für die englische Jugendoffiziere nach 1945 warben, als Befreiung und er wehrte sich gegen die als restaurativ empfundene Bestrebungen, die Pfadfinderei mit idealistischen deutschen Traditionen zu durchdringen.

 

Auch nach seiner Ordinierung als evangelischer Pastor engagierte sich Jochen im BDP – zunächst Ende der 50-er Jahre als Bundesbeauftragter (BB Liedgut). Schon damals warb er dafür – durchaus nicht immer erfolgreich - in den Gruppen des BDP authentische Lieder zu singen. Ihm waren Lieder wichtig, deren Texte ein erwachsener Mensch ohne Scham singen konnte und die musikalisch dem weit verbreiteten Sound in Jugendherbergen überlegen waren. Zum Beispiel war das Lied von der weißen Nacht, über der hoch der Große Bär steht, für Jochen nicht akzeptabel; dagegen begeisterte ihn die Geschichte von dem Jungen avec que la Marmotte.

 

Von 1961 bis 1966 war Jochen als Bundesfeldmeister des BDP verantwortlich für den Wandel des BDP vom improvisierten Jugendbund der Nachkriegszeit zu einem beständigen Jugendverband in einer veränderten Gesellschaft. Berührungsängste vor der gesellschaftlichen Wirklichkeit kannte er nicht; Jochen vertrat das Konzept eines Pfadfinderbundes mit eigenem Erziehungsauftrag neben Elternhaus und Schule. Inhaltlich stand dieses Programm unter dem Titel „Der BDP verwirklicht das Sippensystem“. Viele Führer, die zu Beginn der 60-er Jahre ihre Berufsausbildung oder das Studium abgeschlossen und die aktive Gruppenleitung im BDP eigentlich schon beendet hatten, konnte er damit begeistern und reaktivieren. In seiner Zeit als Bundesführer entwickelte der BDP neue Formen der politischen Bildung mit pfadfinderischen Methoden und er bekam dafür öffentliche Anerkennung, so z. B. von Willy Brandt und von der Theodor-Heuss-Stiftung. Auch auf dem Gebiet der musischen Erziehung gab es positive Entwicklungen mit öffentlicher Anerkennung. „Der Sturm“ von Shakespeare, durch Pfadfinder im Bundeslager 1966 in Forchheim aufgeführt, war ein Highlight. Die verbandsinternen Strukturen wurden in der Verantwortung dieses Bundesfeldmeisters modernisiert: Der BDP wurde demokratischer, durch die Abschaffung der ständischen Repräsentanz der Feldmeister, und er wurde professioneller nach der Einstellung von Hauptamtlichen, wie Bildungsreferent Moritz von Engelhardt und Bundessekretär Detlef Dzembritzki

 

Als die Studentenbewegung der später sog. 68er auch im BDP zunehmend aktiv wurde, war das nicht mehr Jochens Sache; er trat resigniert vom Amt des Bundesfeldmeisters zurück. In den folgenden Jahren wirkte er als Standortpfarrer für die Marine in Eckernförde, wo er seine Neigung zum Chorsingen in den Aufbau eines Chores für junge, wehrpflichtige Soldaten einbringen konnte. Sein Liederbuch „Gospels, Shanties & Folklore“, ursprünglich von ihm als Liederbuch des BDP geplant, fand eine sehr weite Verbreitung mit einer Gesamtauflage von 148.000 Exemplaren. Daraus entwickelt sich später seine Initiative zum Offenen Singen auf dem Aschberg in den Hüttener Bergen zwischen Rendsburg und Eckernförde, der von Jahr zu Jahr mehr Menschen und schließlich Hunderte begeistert folgten.

 

Der Pfadfinderei blieb er verbunden durch die Pflege alter Freundschaften und durch die theoretische Beschäftigung mit ihren geistigen Grundlagen. Jochen studierte die Schriften von Baden-Powell und suchte nach den Möglichkeiten, um die dortigen Hinweise aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit ihren starken Bezügen auf englische Verhältnisse in der heutigen Zeit und in Deutschland anwenden zu können. Ein Ergebnis war sein Buch „Pfadfinder – Der Zeit voraus“, erschienen im Jahr 2001. Seinem hartnäckigen Drängen ist es auch zu verdanken, dass der vdL-Verlag in Wesel im Jahr 2007 Tim Jeals Biographie „Baden-Powell – Gründer der Pfadfinderbewegung“ in deutscher Sprache veröffentlichte – leider erst 18 Jahre nach dem Erscheinen des englischsprachigen Originals, aber immerhin.

 

Die Stiftung Pfadfinden unterstütze er als Unterzeichner des Stiftungsaufrufs, durch eigene finanzielle Beiträge und durch seine Kompetenzfelder im NETZWERK PFADFINDEN. Dieses Beispiel des ehemaligen Bundesfeldmeisters haben sicherlich auch andere frühere BDPer für diese Stiftung eingenommen und angeregt, ihre fortbestehende Verbundenheit mit den Pfadfindern hier festzumachen.

 

In den letzten Jahren seines langen Lebens trennte sich Jochen immer mehr von den gerade in Deutschland weit verbreiteten Versuchen, das Zusammenleben der Menschen an Prinzipien zu orientieren und nach gedanklichen Systemen zu ordnen. Die Beziehungen zwischen Menschen wurden für ihn immer wichtiger. Diese sah er in den Liedern, die in seinen Büchern zu finden sind, behandelt; diese fand er bei den Pfadfindern gepflegt, bei denen schon der besondere Gruß symbolisiert, dass der Starke den Schwachen schützt und die Pflege dieser zwischenmenschlichen Beziehungen formulierte er am Ende mit Bezug auf Baden-Powell als seinen Sinn des Lebens: Glücklich sein und andere glücklich machen.

 

Bei der Trauerfeier für Jochen Senft am 27. April 2012 sangen die anwesenden Pfadfinder vor und mit der großen Gemeinde aus seiner Familie, seinen Verwandten, Nachbarn, den Chorsängern und ehemaligen Kollegen das Abschiedslied und betonten - ganz im Sinne von Jochen Senft, dem Pfadfinder, evangelischen Pastor und Chorleiter:

 

„Der Himmel wölbt sich übers Land,

ade, auf Wiedersehn.

Wir ruhen all’ in Gottes Hand,

lebt wohl, auf Wiedersehn“

 

Jochen Senft war für manche Zeitgenossen auch ein unbequemer Mensch. Er „stand“ gegen die von ihm als unmenschlich erlebte Behandlung von Kindern und Jugendlichen in der Staatsjugend vor 1945. Er stand gegen alle Tendenzen, auch Unsinniges aus der Bündischen Jugend in den BDP zu übernehmen. Er stand gegen Entwicklungen in der Bundeswehr, Rekruten per Gammelei verwahrlosen zu lassen. Er stand gegen alle Versuche bei den 68ern, Andersdenkende durch Ausgrenzung zu diffamieren. Er stand gegen das anspruchslose Singen von sogenannten Fahrten- und Wanderliedern und er stand gegen die sehr deutsche Tradition, die Gestaltung der Beziehungen zwischen Menschen mit der Anwendung von Prinzipien zu verwechseln. Das alles hätte er manchmal in einer weniger ausgeprägten „pastoralen“ Sprache und in einer verbindlicheren Form machen und dadurch vermutlich eine noch größere Wirkung erzielen können – aber er hat sein Bestes getan; und um die Pfadfinder in Deutschland hat er sich verdient gemacht.

 

Heinz Henke

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Walter Fink

Der Lebensweg Walter Finks (9. April 1943 - 25. Dezember 2008) steht beispielhaft für zahlreiche Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die aus einfachen Verhältnissen kommend, in der Pfadfinderschaft eine besondere Förderung und somit wegweisende Lebensorientierung erfuhren.

 

Walter wuchs als Sohn einer Kriegerwitwe mit seinem älteren Bruder in einem Dorf in der Nähe Gießens heran und nahm nach dem Besuch der örtlichen Volksschule eine Schlosserlehre auf. Während dieser Zeit fand er über einen gleichaltrigen Pfadfinder aus der Nachbarschaft zum BDP.

 

In der unterschiedlich strukturierten Jugendgruppe von Gesellen, Angestellten, Oberschülern und Studenten, häufig gegenläufiger politischer und weltanschaulicher Richtungen, verschiedener Religionszugehörigkeit sowie allmählich gewachsener Freundschaften im Stamm fiel Walter zunächst als stiller, jedoch sichtlich interessierter Zuhörer auf, der innerhalb seiner Pfadfindergruppe dann Schritt für Schritt deutlich aufrückte.

 

Walter Fink stand bald mitten im Gruppengeschehen, nahm an zahlreichen Großfahrten und Lagern teil, erlernte das Gitarrenspiel und engagierte sich im Stamm seines späteren BdP Bundesvorsitzenden Helmut Jung auch bei dessen Projekt der ehrenamtlichen Betreuung jugendlicher Strafgefangener in der nicht weit von Gießen entfernten Vollzugsanstalt Rockenberg.

 

Noch während seiner Pfadfinderzeit begann Walter mit den Vorbereitungen des mittleren Bildungsabschlusses, der ihn dann zur Aufnahme eines Studienganges mit dem Berufsziel des graduierten Ingenieurs berechtigte. Sein besonderes Interesse galt dem seinerzeit neu aufgekommenen Studienschwerpunkt eines Wirtschaftsingenieurs, für den er sich dann am Technikum München qualifizierte. In München fand er auch eine Anstellung als Ingenieur bei einem großen Industrieunternehmen.

 

Nach einigen Jahren wagte Walter Fink den Schritt in die Selbständigkeit und führte in der bayrischen Metropole erfolgreich eine überschaubare Firma, die er mit dem ihm eigenen anspruchsvollen sozialen Selbstverständnis leitete: „Wenn es mir gut geht“, so sein keineswegs durchgängiges unternehmerisches Bekenntnis, „soll es auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut gehen.“ Entsprechend großzügig waren seine überdurchschnittlich hohen Sozialleistungen im Betrieb.

 

Ebenso durften sich Institutionen und Vereine in Aschau bei Prien, wo die Familie ihren Wohnsitz nahm, regelmäßiger Zuwendungen erfreuen. Auch Pfadfindergruppen erfuhren mancherlei finanzielle Unterstützung durch Walters soziale Haltung, die auch in finanzielle Bedrängnis geratene Einzelpersonen erreichte.

 

Eine tückische Krankheit zwang den umsichtigen Firmengründer und einstigen Pfadfinder, sich aus dem Unternehmen zurück zu ziehen.

 

Die Witwe des Verstorbenen verhalf in dem Bewusstsein, dass ihr verstorbener Mann den „Pfadfindern viel verdankte“ mit ihrer großherzigen Spende der „Stiftung Pfadfinden“ zu weiterer finanzieller Gestaltungsmöglichkeit.

 

Walter Fink hat, wie der überlieferte pfadfinderische Leitsatz besagt, seine „Aufgabe erfüllt“ und ist „nach Hause gegangen“.

 

In seiner Pfadfindergemeinschaft, die ihn bereits in frühen Jahren entscheidend prägte, ist unser Freund hingegen posthum wieder angekommen.

 

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Die “Stiftung Pfadfinden” hat besonderen Anlass, sich bei Frau Hermi Fink (Aschau/Chiemgau) für eine namhafte Spende zu bedanken, die sie für ihren allzu früh verstorbenen Ehemann und früheren Pfadfinder Walter der Stiftung übereignete.

 

Auf Wunsch des Stiftungsrates wurde von Walters ehemaligen Sippenführer Dr. Horst Espich (Vatter) dieser Nachruf auf seinen langjährigen Freund verfasst.

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Christiane Schläfke ( Chris )

Chris wurde 1944 geboren. Bedingt durch den Krieg und die Nachkriegszeit wuchs sie in einem sehr schwierigen Umfeld auf. Der Vater war TBC-krank und daher arbeitsunfähig. Die Mutter mußte als Erzieherin oft bis in den späten Abend arbeiten. Somit mußte Chris frühzeitig die Verantwortung für den Haushalt und ihre beiden jüngeren Brüder übernehmen. Um finanziell unabhängig zu werden, verließ sie nach der elften Klasse das Gymnasium und besuchte eine zweijährige Wirtschaftsschule. Ihr Berufsleben begann zunächst bei einer kleinen Bank. Dort geriet sie zufällig in den Grundstücksbereich. Das war dann bestimmend für ihren weiteren Berufsweg als Hausverwalterin und später Sanierungsberaterin. Diese Tätigkeit bereitete ihr viel Freude, denn helfen zu können war ihr immer ein großes Anliegen. Die Musik war ein Hobby von ihr. Erst sang sie im Schulchor des Gymnasiums, dann war sie lange Zeit im Berliner Mozartchor, bis sie schließlich Mitglied des Berliner Oratorienchors wurde.

 

Zu den Pfadfindern kam sie 1968 durch ihren Bruder Peter. Sie engagierte sich in der Kinder- und Juniorenarbeit und sie wurde der Motor der sehr guten Singegruppe des Stammes. Ein weiteres Hobby waren ihre vielen Auslandsreisen, sowohl mit den Chören als auch mit den Pfadfindern.

Ihr eigentlicher Berufswunsch war es Lehrerin zu werden. Da die Umstände es nicht erlaubten, konnte sie aber im Ruhestand einiges nachholen. Sie wurde Lesepatin in zwei Berliner Schulen und gab mehreren Kindern Nachhilfeunterricht.

 

Leider riß sie im Februar 2009 ein Schlaganfall aus ihrem stets aktiven Leben. Rechtseitig bewegungseingeschränkt und auf den Rollstuhl und die Hilfe Anderer angewiesen, verbrachte sie den letzten Abschnitt ihres Lebens in einem Pflegeheim. Am Tag nach ihrem 68. Geburtstag verstarb sie.

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